Ein Brief an mein Ego

Kennst du das, du möchtest etwas ausprobieren oder einen neuen Weg in deinem Leben beschreiten und dann hörst du diese erst zarte und dann immer lauter werdende Stimme in dir, die dir gefühlte Tausend Argumente liefert, die gegen dein Vorhaben sprechen? Du hörst dieser Stimme zu. Wenn du dich versuchst von ihr abzuwenden wird sie lauter und irgendwann knickst du vielleicht ein, und gibst dein Vorhaben auf.

Ich habe vor ein paar Tagen auch wieder eine intensive Beschallung von dieser Stimme gehabt. Sie wurde ganz laut, als ich mich entschieden habe meinen ersten Onlinekurs mit einem Workshop, der davor stattfindet durchzuführen. Die Idee dazu ist schon älter, und losgelaufen bin ich auch schon vor einer Weile. Aber nun stehen konkrete To-do's und Termine an. Und dann war sie wieder ganz massiv da. Meine innere Stimme, mein innerer Kritiker und hat mir aufgezählt was ich alles nicht kann, und dass ich es nicht schaffen werde. Ich nenne diese Stimme, diesen Kritiker oft mein Ego. Ich habe anfangs dagegengehalten, aber die Stimme wurde lauter und hat ihre Worte zielsicher in meine Wunden gelegt. Diese Wunden waren wieder so präsent und vieles in mir hat nach einem Abbruch meines Vorhabens gerufen. Wenn ich mich diesem Schmerz, der jetzt hochgekommen ist, nicht stelle, dann werde ich ihn auch nicht heilen können. Wenn ich keine neuen Erfahrungen kreiere, dann werde ich immer nur auf Erfahrungen aus meiner Vergangenheit zurückgreifen können. Unser Herzensweg zeigt uns immer wieder Möglichkeiten auf um wachsen zu können, um innere Verletzungen zu heilen. Unser Verstand kann diesen Weg nicht mitgehen, da er diese zukünftige Erfahrung noch nicht abgespeichert hat und dieser auch noch keine Emotion zugeordnet hat. Denn das genau passiert in uns.

Wenn wir eine Erfahrung machen, dann verbindet unser System diese Erfahrung mit einer Emotion und das wird dann gemeinsam in uns abgespeichert. Wenn wir zukünftig ein ähnliches Erlebnis haben, greift unser Verstand auf die vorhandene Erfahrung mit der dazu abgespeicherten Emotion zurück und wir reagieren wieder genau gleich. Wir kommen aus dieser Schleife der ähnlichen Erfahrungen und Emotionen nicht heraus. Im Gegenteil, unser Versand fühlt sich immer und immer wieder bestätigt, da es ja immer gleich bleibt.

Und hier dürfen wir ansetzen und uns bewusst neuen Erfahrungen stellen indem wir unserer Herzensstimme folgen und unsere Komfortzone verlassen. Um es mir selber vor Augen zu führen, und meinem Ego liebevoll seine Grenzen aufzuzeigen habe ich ein paar Mal tief durchgeatmet und ihm einen Brief geschrieben:


Liebes Ego,

ich habe lange überlegt, ob ich Dir schreiben soll. Viel zu lange!

Ich spüre oft, dass Du da bist. Manchmal viel zu oft. Ich weiß, dass ich mich über Dich definieren kann, dass Du bei Angriffen von Außen gegen mich gleich "Attacke" rufst und losstürmst, um mich zu beschützen. Ich weiß auch, dass Du es gut mit mir meinst. Eigentlich. Aber Deine Vorstellung von "gut meinen"ist etwas ganz anderes als meine Sehnsucht nach einem glücklichen, erfüllten, erfolgreichem Leben.

Als ich den Platz an der Ballettschule vertanzt habe, da hast Du mir ständig erzählt, dass ich mit 30 arbeitslos sein werde, da es schließlich viel bessere Tänzerinnen gibt als ich, die sich dann als Choreografinnen einen Namen machen werden.

Als ich mich damit auseinandergesetzt habe in Boston Medizin zu studieren hast Du mir ständig ins Ohr geraunzt, dass ich vor Heimweh umkommen werde. Ich habe Dir brav zugehört und bin Dir und Deinen Ideen von meinem Leben gefolgt. Du hattest leichtes Spiel mit mir. Ich war Dir hörig.

Aber inzwischen bin ich innerlich gewachsen, und meine Herzensstimme, die anfangs leise und zart war, ist nun kraftvoll und stark geworden. Sie bestärkt mich darin meinen Intuitionen zu folgen und meinen Gefühlen zu vertrauen. Ab und zu grätscht Du in eine kleine Lücke der Unsicherheit hinein und erzählst mir von Deinen Bedenken und was ich nicht kann und wer ich nicht bin. ich werde immer besser darin zu erkennen, dass DU dann zu mir sprichst und erahne, dass Du es vielleicht tatsächlich gut mit mir meinst. Aber Du tust mir nicht gut. Nicht immer. Du darfst mich und meine Herzensstimme begleiten. Leise und voller Demut. Du darfst auf meiner Schulter sitzen und schweigen. Bis ich Dich frage, bis ich Dich um Hilfe bitte. Du darfst mir nicht ungefragt Meinungen und Bedenken ins Ohr flüstern, oder mich davon überzeugen wollen, dass ich etwas nicht kann. Das hast Du lange genug gemacht. Inzwischen weiß ich, dass ich alles kann, wenn ich es nur möchte. Vielleicht nicht sofort, aber ich kann alles lernen. Du darfst mir helfen Entscheidungen umzusetzen, ins Tun zu kommen. Aber Du darfst mich nicht mehr boykottieren.

Es hat lange gedauert. Sehr lange! Aber nun spüre ich ihn, den Herzschlag der Sehnsucht darauf MEIN Leben zu leben. Die Neugier, MICH zu finden und MICH zu leben strömt freudvoll durch meine Adern und pulsiert liebevoll durch meinen Körper. Das Glück der Vorfreude auf meine Selbstbestimmung läßt Schmetterlinge durch meinen Bauch tanzen. Du gehörst zu mir liebes Ego. Immer. Hören werde ich aber - ungefragt - nicht mehr auf Dich. Ich binde Dich ein wann immer es wichtig für mich ist.

Lass uns gemeinsam durchs Leben gehen und glücklich sein.

Deine Imke

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